Dosha Story: Vata, Pitta und Kapha in Corona-Quarantäne

„Ohhhh nein, ich fasse es nicht!“, murmelt Kapha und zieht sich in der Hoffnung, wieder einzuschlafen, sein Kissen über den Kopf. Es ist 7 Uhr morgens und er ist bereits seit einiger Zeit zuhause in Corona-Quarantäne. So aber leider auch seine Pitta Nachbarin und der alte Herr Vata, der unter ihm wohnt. Normalerweise bekommt er nicht viel von ihnen mit, aber jetzt hat er das Gefühl, dass seit Corona alles anders ist.

Jeden Morgen ab 7 Uhr gibt es entweder Gehämmer oder nervige Geräusche von nebenan, da Frau Pitta meint, die freigewordene Zeit nun maximal effizient nutzen zu müssen. Sie lernt seit 3 Wochen akribisch Japanisch, online mit einem Lehrer direkt aus Japan. Dazu baut sie um, reißt Wände ein und bekommt alle paar Tage Besuch von Handwerkern mit Mundschutz oder Lieferungen neuer Möbel, die sie online bestellt hat. „Na, ob das sicher ist, ich weiß nicht. All der Menschenkontakt, ich fände das zu riskant.“ murmelt Kapha vor sich her und gesteht sich ein, dass er wohl nicht mehr einschlafen wird. Dabei hat er sich so sehr auf diese Zeit gefreut: Jeden Morgen genüsslich ausschlafen, die Pflanzen auf dem Balkon in ihrer ersten Blüte von morgens bis abends genießen, endlich all die Filme schauen, die schon lange auf ihn warten und all die tollen Rezepte ausprobieren, die er seit Jahren sammelt. Und endlich Zeit, um jeden Nachmittag ganz gemütlich Kuchen zu essen.

Kapha rafft sich auf und schlurft zur Kaffeemaschine für seinen morgendlichen doppelten Espresso, den er seit 35 Jahren jeden Morgen aus der gleichen Tasse und von derselben Marke konsumiert. Auf dem Weg muss er sich die Ohren zuhalten, Madame Pitta scheint wohl gerade etwas zu sägen. „Wie viel Kaffee sie bei diesem Elan wohl schon so früh am Morgen getrunken hat?“, fragt er sich.

Kapha geht mit seiner Tasse auf den Balkon und macht es sich auf der Hängematte gemütlich. Als er gerade entspannt die Augen schließen möchte, hört er Herrn Vata von unten räuspern: „Mhhrrr, Mhhrrr, hallo da oben, wie geht es Ihnen denn? Haben Sie eigentlich schon mal jemanden mit Corona gesehen oder kennen Sie jemanden? Die Tante von meiner Schwiegertochter, Gerda heißt sie, ach ne, Annegret, äh Adelheid, einen Moment, ich hab‘s gleich, naja, ist auch egal. Sie kennen sie eh nicht… jedenfalls, die hatte Corona.“ Er gestikuliert umher und dabei schwappt sein Tee über, was er jedoch vor lauter Rede-Enthusiasmus und Freude, dass ihm endlich mal wieder jemand zuhört, nicht bemerkt.
„War wohl ganz schön heftig, aber sie musste nicht ins Krankenhaus. Wissen Sie, die kennt sich total gut mit Aluweda aus, so eine Medizin aus Indien. Immer wenn man bei ihr zu Besuch ist, bekommt man beim ersten Hüsterchen schon was aus ihrem Gewürzschrank verpasst. Auguste! Ja so heißt sie, jetzt weiß ich es endlich wieder. ‚Auguste, die viel wusste‘, sag ich immer, so als Witz. Naja, jedenfalls ist sie über den Berg, ihre Immunbooster-Mittelchen scheinen wohl gut zu tun.“

Kapha wollte kurz etwas einwerfen, da plauderte der alte Herr Vata jedoch direkt weiter. „Echt unfassbar dieses Corona. Gut, dass ich so vergesslich bin und manchmal stundenlang an etwas anderes denke, bevor mir wieder einfällt, was eigentlich grade auf der Welt los ist. Oder halt nicht los ist, alle Straßen sind ja leer, echt seltsame Zeiten. Am tollsten ist es, wenn ich meine Briefmarkensammlung durchgehe. Wissen Sie, diese verschiedenen Motive haben irgendwie alle eine Geschichte, sie erzählen von den verschiedenen Kulturen und Zeitepochen… manche meiner Briefmarken sind sogar aus dem Königshaus von England. Da ist die Queen von früher drauf, hat so ein rotes Oberteil an und lockige Haare,… Aber nun, was ich eigentlich sagen wollte ist, dass die Briefmarken meine Phantasie herrlich anregen. Ich reise doch so gerne und dann fühle ich mich etwas weniger eingeschlossen hier in unserem Häuserblock. Wie gehen Sie denn so damit um, dass wir nicht raus dürfen? Ich drehe fast durch… bin doch normalerweise immer viel in Bewegung. Morgens durch die Wohnung zu laufen ist wirklich so unspektakulär und immer das Gleiche. Das ist einfach nichts für mich. Ich habe zwar ohne Ende Ideen, was ich noch daheim machen könnte und gerade mache ich bei 3 Onlinekursen mit, um etwas zu lernen, aber mir fehlt die Abwechslung ungemein.“

„Guten Morgen die Herren“ unterbricht Frau Pitta das Gespräch, die nun auch auf ihrem Balkon ist. In ihren Kopfhörern läuft noch die heutige Japanisch Hausaufgabe, die sie kurz unterbricht. Es ist mittlerweile 8 Uhr, Kapha wäre immer noch so gerne in seinem kuscheligen Bett und Herr Vata rückt ein paar Kartons auf seinem Balkon zur Seite und denkt sich, er müsste mal wieder Ordnung hier schaffen, denn er kann Frau Pitta sonst nicht sehen. „Na, was machen Sie eigentlich so während der Quarantäne?“ ruft er ihr zu. Kapha kann sich nicht verkneifen zu sagen: „Hören Sie das nicht jeden Morgen? Mein Schlafzimmer ist direkt neben ihrem Wohnzimmer und eins kann ich Ihnen sagen, sie ist jeden Morgen sehr früh aktiv. Früher als mir lieb ist.“

Frau Pitta kontert direkt: „Etwas mehr Aktion täte Ihnen bestimmt auch gut, lieber Herr Nachbar. Sie haben mir doch letzte Woche schon erzählt, dass Sie bereits 3,5 kg zugenommen haben seit der Quarantäne.“ Kapha zieht die Augenbrauen hoch und denkt sich: „Naja, Recht hat sie ja, vielleicht sollte ich beim Kuchen am Nachmittag nicht immer so tun, als wäre ich nicht alleine… dann muss ich auch nicht die anderen Teller aufessen. Kann man nur ein anstatt drei Stückchen Kuchen schon als Diät bezeichnen?“, grübelt er.

Frau Pitta erläutert weiter: „Bei mir galt immer schon das Motto ‚Jeder Moment wird sinnvoll genutzt‘. Ich lerne also Japanisch, baue um, habe wie Sie sehen einen Selbstversorger-Balkongarten angelegt und habe ein Onlinebusiness gegründet, ich will ja schließlich nicht den ganzen Tag untätig rumsitzen. Bei meinem ersten Onlinekurs „Wie ich effektiv meine Ziele umsetze“ haben Sie sich sogar angemeldet, Herr Vata, wie finden Sie ihn denn?“

Da errötet Herr Vata leicht, während er darüber nachdenkt, wo er nochmal das Workbook hingelegt hat und was Frau Pitta im letzten Video erzählt hat. Irgendwie mag es ihm nicht einfallen und er sagt einfach: „Wunderbar, so kreativ, genau nach meinem Geschmack.“ „Na dann, weiterhin viel Erfolg beim Umsetzen!“, sagt Frau Pitta, „Und nun entschuldigen Sie mich bitte, ich starte jetzt mein morgentliches Workout.“ Sie stöpselt sich wieder die Kopfhörer ein und wiederholt: „Watashi wa attakaidesu“ (mir ist warm auf Japanisch), während sie beginnt äußerst dynamische Kniebeugen zu machen, zusätzlich jeweils eine Hantel in der Hand.

Kapha fühlt sich bereits beim Anblick von Frau Pittas Sporteinlage angestrengt, ruft dem alten Herrn Vata ein „Tschüss, bis später vielleicht“ zu und beschließt, lieber nach drinnen zu gehen, um sein Frühstück zuzubereiten und darüber nachzudenken, welchen Kuchen er wohl heute backt.


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Kategorie Doshas
Carina Preuß

Frau Preuß schloss ihr internationales Hotelmanagement-Studium an der École hotelière de Lausanne 2011 erfolgreich ab. Nach Stationen in der gehobenen Hotellerie, u.a. in der Schweiz, Mexiko und auf Teneriffa, trat sie in das Familienunternehmen Ayurveda Parkschlösschen ein. Hier durchlief sie im Zuge einer professionellen Einarbeitung in den Hotelbetrieb zunächst die verschiedenen Abteilungen des Hauses. Frau Preuß ist Ayurveda Lifestyle Coach und Yogalehrerin. 2017 übernahm sie schließlich die Position der Geschäftsführerin des Ayurveda Parkschlösschens von ihrer Mutter Brigitte Preuß.

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